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PDF 2.0 (ISO 32000-2): Neue Funktionen

PDF 2.0 bringt einige neue Funktionen und Verbesserungen, insbesondere für Tagged PDF und für die Druckproduktion.

Tagged PDF

Mehrere Änderungen und Erweiterungen für Tagged PDF wurden in PDF 2.0 aufgenommen, ausgelöst vor allem durch die umfangreichen Diskussionen rund um den PDF/UA-Standard:

Die Beziehung sowie Verschachtelungsregeln von Standard-Strukturelementen werden nun separat in Tabellenform angegeben. In ISO 32000-1 (PDF 1.7) waren die Verschachtelungsregeln für Tags unvollständig (PDF/UA füllt einige dieser Lücken) und über große Teile des Textes verstreut. Bei der Formulierung der neuen Verschachtelungsregeln für Tags wurden einige Redundanzen innerhalb der bestehenden Tag-Menge beseitigt. Beispielsweise werden die Elemente Art, Index, Quote, BibEntry und andere nicht länger in PDF 2.0 unterstützt.

Tag-Namensräume, die XML-Namensräumen ähneln, können verwendet werden, um benutzerdefinierte Tags zu gruppieren und ihnen Standardtypen für Strukturelemente zuzuordnen. Der Namensraum für MathML ist in PDF 2.0 bereits vordefiniert.

Die Aktionen GoTo und GoToR lassen nun auch Links zu einem bestimmten Strukturelement statt nur zu einer festgelegten Stelle auf einer Seite zu. Befindet sich das Ziel-Strukturelement in einem externen Dokument, wird es anhand seines ID-Attributs identifiziert (ähnlich zu benannten Zielen).

Neue Strukturelementtypen DocumentFragment für Teile eines Dokuments, Aside für Marginalien und ähnliche Inhalte sowie Ref für Verweise.

Neue Attribute für den Typ von List-Elementen und den Kurznamen von Tabellen-Kopfzellen.

Mit dem neuen Strukturelement Artifact kann irrelevanter Inhalt in den Strukturbaum aufgenommen werden, obwohl er ignoriert wird. Dies ist nützlich, um die korrekte Reihenfolge von Artefakten und realem Inhalt, z.B. für Zeilenangaben, zu erhalten. Die Kennzeichnung mit dem Strukturelement Artifact (mit Aufnahme in den Strukturbaum) ist mächtiger als die bisher mögliche bloße Markierung als Artifact und nicht mit dieser zu verwechseln.

Neue Artefakt-Untertypen für Seitenzahlen und Bates-Nummerierung.

Strukturelemente können Aussprache-Hinweise enthalten, um die automatische Aussprache von unbekannten Begriffen zu erleichtern. Diese Funktion basiert auf einem XML-basierten W3C-Format namens Pronunciation Lexicon Specification.

Druckproduktion

Die folgenden PDF 2.0-Funktionen sind für die Druckproduktion vorgesehen. Sie wurden auf Antrag von Vertretern der grafischen Industrie aufgenommen:

Als Verallgemeinerung der mit PDF/X und PDF/A eingeführten ICC-Profile für die Druckausgabebedingung, die sich auf das Gesamtdokument beziehen, beschreiben Druckausgabebedingungen auf Seitenebene das Zielgerät, auf dem eine bestimmte Seite dargestellt wird. Diese Funktion ist nützlich für Dokumente, bei denen einzelne Seiten auf verschiedenen Ausgabegeräten gedruckt werden sollen, z.B. eine Sammlung von Mailings, wo das Deckblatt nur in Schwarz-Weiß gedruckt wird, während die inneren Seiten in Farbe gedruckt werden. Druckausgabebedingungen auf Seitenebene kamen bei den Diskussionen um PDF/VT auf, sind aber noch nicht Teil dieses Standards. Ein weiterer Anwendungsfall: Beim Montieren von Dokumenten mit unterschiedlichen Druckausgabebedingungen kann die entsprechende Druckausgabebedingung nun für jede Seite erhalten werden.

Schmuckfarben können durch das Anfügen von Spektraldaten an den Output Intent eines Dokuments mit dem Eintrag SpectralData genau beschrieben werden. Die Charakterisierungsdaten für Schmuckfarben müssen im XML-basierten Format CxF/X-4 gemäß ISO 17972-4:2015 übergeben werden (Informationen zu CxF sind beim Erfinder des Formats Xrite frei verfügbar). Das CxF-Format beschreibt eine Sonderfarbe anhand ihrer spektralen Eigenschaften, das heißt die spektralen Reflexionswerte einer gedruckten Charakterisierungstabelle sowie die Deckkraft der Druckfarben müssen gemessen werden. Die Deckkraft-Eigenschaften der Druckfarben sind wichtig für den Proof von Schmuckfarben, die auf andere Seiteninhalte gedruckt werden. Das International Color Consortium bietet eine gute Beschreibung und ein PDF-Beispiel (noch basierend auf PDF 1.7).
Spektraldaten für Schmuckfarben werden bereits von einigen Drittanbietern der grafischen Industrie unterstützt, jedoch zur Zeit noch nicht in Adobe-Anwendungen.

Der Eintrag MixingHints im Output Intent beschreibt die Reihenfolge, in der die Druckfarben während des Druckprozesses aufgetragen werden. Die so genannte Druckreihenfolge (ink laydown order) und die optionalen Volltonwerte sind wichtig, um genaue Proofs zu erzeugen, wenn keine Schmuckfarben verfügbar sind.

Schwarzpunktkompensation für CIE-basierte Farbkonvertierung gemäß ISO 18619:2015 kann mit dem neuen Grafikparameter UseBlackPtComp angefordert werden. ICC-Profile definieren nur Methoden zur Handhabung des Weißpunkts, aber nicht des Schwarzpunkts. Schwarzpunktkompensation ist wichtig für die Erhaltung von Details in den dunklen Bereichen eines Bildes, auch Schatten genannt. In Adobe Photoshop und anderen Anwendungen ist Schwarzpunktkompensation bereits seit einiger Zeit als optionale Funktion verfügbar. Die neue PDF 2.0-Funktion bietet eine ähnliche Möglichkeit auch für PDF-Dokumente.
ISO 18619 geht zurück auf den im Jahr 2006 von Adobe veröffentlichten RPC-Algorithmus in Adobe Systems’ Implementation of Black Point Compensation. Adobes Algorithmus bezieht sich nur auf den relativen farbmetrischen Rendering-Intent. Der Algorithmus wurde anschließend auf die Rendering Intents Perceptual und Saturation erweitert, basierend auf Vorschlägen im ICC White Paper 40 Black-point compensation: theory and application. Letzteres Dokument enthält auch eine gute Erklärung zu BPC, mit der schönen Metapher des Hinzufügens/Entfernens von Nebel zu einem Bild. Per Definition gilt Schwarzpunktkompensation nicht für den absoluten farbmetrischen Rendering Intent, der auf exakte Wiedergabe aller Farben innerhalb des Gerätefarbraums abzielt.

Weitere Funktionen

Das neue Konzept eines unverschlüsselten Wrapper-Dokuments ist für Situationen vorgesehen, in denen ein Dokument Verschlüsselungstechnologie außerhalb von ISO 32000-2 verwendet (ein benutzerdefinierter Security-Handler), was bedeutet, dass ein Viewer die Inhalte eventuell nicht entschlüsseln kann. In dieser Situation kann ein unverschlüsseltes Wrapper-Dokument benutzt werden, das die kryptografischen Anforderungen der verschlüsselten Nutzdaten beschreibt. Mithilfe der Informationen im unverschlüsselten Wrapper kann der PDF-Viewer entscheiden, ob es möglich sein wird, die Nutzdaten zu entschlüsseln. Ist der erforderliche Security-Handler nicht verfügbar, wird der Inhalt des unverschlüsselten Wrappers dem Benutzer angezeigt, um die Situation zu erklären.

Der Schlüssel L für die Länge von Inline-Bildern löst ein langjähriges Problem beim Parsen des selten verwendeten Konzepts von Inline-Bilddaten.

Seed-Werte von Signaturen, die bestimmte Einschränkungen vorgeben, wenn das Dokument digital signiert wird. Einige der neuen Werte unterstützen das Erzeugen von Signaturen mit expliziter Richtlinie (policy) gemäß (ETS TS 102 778 Teil 3).

Neue Werte im Requirements-Dictionary des Dokuments, das die minimal erforderliche Funktionalität vorschreibt, die vom PDF-Viewer zur Verfügung gestellt werden muss.

In PDF 2.0 wurden mehrere Erweiterungen für interaktive Funktionen definiert (zusätzlich zu den ab Acrobat 9 eingeführten Funktionen für Geodaten und 3D, siehe hier):

Transparenz und Farbmischmodus können explizit für Anmerkungen festgelegt werden.

3D-Ansichten können 3D-Abmessungen enthalten.

3D-Querschnitte können Teile von 3D-Modellen im transparenten Anzeigemodus darstellen oder so, als würde man durch ein festes Objekt schneiden.

Mit einem neuen Wert für die Tabulatorreihenfolge kann man durch die Anmerkungen auf einer Seite navigieren, basierend auf der Reihenfolge von Anmerkungen oder Widgets.

Verschiedene Beschreibungen von Algorithmen wurden in PDF 2.0 verbessert. Dies war erforderlich, um Mehrdeutigkeiten bei der unterschiedlichen Darstellung von PDF-Dokumenten in verschiedenen Implementierungen bezüglich bestimmter Konstrukte zu vermeiden:

Details bei der Darstellung, z.B. bei einem Pfad, der nur aus einem einzigen Punkt besteht;

bestimmte Fälle bei der Berechnung transparenter Objekte;

Simulation von Überdrucken, auch Ausgabevorschau genannt;

Einzelheiten der Verschlüsselungsverfahren sind ausführlicher beschrieben;

Die unzusammenhängende Beschreibung von Tagged PDF wurde komplett umgeschrieben und ist nun leichter lesbar und besser dargestellt.