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Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0

Um die Anforderungen an barrierefreies PDF zu verstehen, sollte man einen Blick auf die Anforderungen an Barrierefreiheit für das Web werfen. Das W3C veröffentlichte seine »Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) 2.0« im Jahr 2008 (auch als ISO/IEC 40500:2012 standardisiert). Das Dokument enthält zwölf allgemeine Leitlinien für die Zugänglichkeit, die sich an den folgenden Grundsätzen orientieren:

Inhalte sollten wahrnehmbar sein, für Bilder und andere nicht-textuelle Inhalte sollte zum Beispiel Alternativtext vorhanden sein.

Inhalte sollten bedienbar sein, zum Beispiel sollte die komplette Funktionalität über die Tastatur gesteuert werden können.

Inhalte sollten verständlich sein, der gesamte Text muss zum Beispiel lesbar sein.

Inhalte sollten robust, also auf Kompatibilität mit heutigen und zukünftigen Tools ausgerichtet sein.

Diese Richtlinien beschreiben insgesamt 61 Erfolgskriterien, die erfüllt sein müssen, um Inhalte zugänglich zu machen. Die Erfolgskriterien sind in drei Konformitätsstufen gegliedert, die von A (minimale Konformität) über ein mittleres Niveau AA bis auf die höchste Stufe AAA reichen. Um die minimalen Anforderungen für Barrierefreiheit zu erreichen, müssen nur die Kriterien der Stufe A erfüllt werde

Anwendung von WCAG auf PDF

WCAG ist ein Technologie-unabhängiger Standard: Er ist nicht auf bestimmte Technologien wie HTML oder serverseitiges Scripting ausgerichtet, sondern beschreibt Anforderungen an die Barrierefreiheit in einer sehr allgemeinen Weise. Ein empfehlendes (d.h. nicht-normatives) Dokument mit dem Titel »PDF Techniques for WCAG 2.0« stellt allgemeine Verfahren zur Erreichung der WCAG-Konformität und Verfahren für spezifische Technologien wie HTML, CSS, Flash und PDF vor. Die Empfehlung »Techniques for WCAG 2.0« wendet WCAG-Anforderungen auf PDF an und demonstriert anhand nützlicher Beispiele detailliert, wie bestimmte Anforderungen für Barrierefreiheit eingehalten werden können. Die Beispiele richten sich an Anwender von Acrobat, an Software für die Erstellung von Content (z.B. Microsoft Word, OpenOffice) sowie an PDF-Entwickler.

Als Service für PDFlib-Benutzer erläutert das Dokument »PDFlib Techniques for WCAG 2.0« (verfügbar auf der PDFlib-Website), wie die WCAG-Anforderungen bei der Erstellung von barrierefreien Dokumenten mit PDFlib eingehalten werden könne

WCAG und PDF/UA

Obwohl die PDF-Verfahren des W3C nützlich sind, decken sie nicht alle technischen PDF-Details zur Erreichung der vollen Zugänglichkeit ab. Der PDF/UA-Standard erklärt und vereinfacht die PDFAnforderungen zur Einhaltung der WCAG 2.0-Empfehlungen. Während die PDF/UA-Konformität die WCAG-Konformität für native PDF-Inhalte gewährleistet, stellt WCAG in einigen Bereichen weitere Anforderungen. Insbesondere müssen zusätzlich zu PDF/UA-Anforderungen WCAG-Anforderungen für eingebettete Multimedia-Inhalte und Scripting erfüllt sein, um solche Inhalte in PDF barrierefrei zu machen.

In einem von AIIM veröffentlichten Dokument ist die Beziehung zwischen WCAG- und PDF/UA-Regeln ausführlich erläutert. Das Dokument »Achieving WCAG 2.0 with PDF/UA« enthält eine Referenztabelle mit den Zuordnungen zwischen WCAG-Erfolgskriterien und den entsprechenden PDF/UA-Anforderungen.

PDF/UA erweitert nur bei zwei Themen die Anforderungen von WCAG: Zur Verbesserung der Navigation in Dokumenten schreibt PDF/UA anders als WCAG bestimmte Verschachtelungsregeln für Überschriften-Tags vor. Außerdem muss die Artikelfunktion von PDF korrekt angewendet werden; dieses PDFFeature gilt jedoch als veraltet und wird in neu erzeugten PDF-Dokumenten nur noch selten genutzt.

Beachten Sie, dass ein PDF-Dokument konform zu WCAG 2.0 sein kann, ohne PDF/UA-konform zu sein. Allerdings kann WCAG-Konformität viel einfacher mit PDF/UA als ohne erreicht werden.