Der PDF/UA-Standard

Der Standard PDF/UA-1 für Barrierefreiheit

In der Vergangenheit hatten PDF-Dokumente in Bezug auf ihre allgemeine Zugänglichkeit (Barrierefreiheit) keinen guten Ruf. Während bei PDF das Erscheinungsbild eines Dokuments hervorragend langfristig und eindeutig erhalten werden kann, lässt sich die logische Struktur des Inhalts im Allgemeinen nicht gut bewahren. Das liegt vor allem daran, dass das Format aus der PostScript-Drucktechnologie kommt und nicht aus strukturierten Dokumentformaten wie XML. Dieses Defizit wurde mit der Einführung von »Tagged PDF« in PDF 1.4 (Acrobat 5, veröffentlicht im Jahr 2001) ausgeglichen, allerdings fand es in den ersten zehn Jahren noch keine große Verbreitung. Die PDF/UA-Norm ISO 14289, im Jahr 2012 veröffentlicht, baut auf den Dokumentstrukturen von Tagged PDF auf und erweitert das Format aus. Aus dem Standard:

»Das Hauptanliegen der ISO-Norm 14289 (auch PDF/UA genannt) ist es zu definieren, wie elektronische Dokumente im PDF-Format in einer Weise dargestellt werden können, die Dateien zugänglich/barrierefrei macht.«

Code- und PDF-Beispiele für PDF/UA-1

Das PDFlib Cookbook enthält PDF/UA-Beispieldokumente und den zugehörigen Anwendungscode zur Erstellung der Dokumente mit PDFlib 9. Die folgenden Beispiele sind im Cookbook verfügbar:

  • Das Beispiel clone_pdfua topic klont PDF/A-, PDF/UA- und PDF/X-Standarddokumente;
  • Das Beispiel form_fields_pdfua1 erzeugt barrierefreie Formularfelder unterschiedlicher Typen gemäß PDF/UA;
  • Das Beispiel invoice_pdfua1 erzeugt eine Rechnung mit typischen Inhalten, die sowohl zu PDF/UA-1 als auch PDF/A-2a konform ist;
  • Das Beispiel list_pdfua1 topic demonstriert das Taggen von Listen;
  • Das Beispiel merge_and_stamp_pdfua1 fügt PDF/UA-Dokumente zusammen und erhält dabei die Dokumentstrukturbäume. Zusätzlicher Text wird auf jede Seite gestempelt und als Artefakt getagged;
  • Das Beispiel parallel_columns_pdfua1 zeigt, wie mehrere parallele Spalten mit activate_item() getagged werden;
  • Das Beispiel scan_with_ocr_pdfua1 demonstriert Taggen für unsichtbaren OCR-Text auf einer gescannten Seite;
  • Das Beispiel starter_pdfua1 erzeugt ein PDF/UA-Dokument mit verschiedenen Inhaltstypen, die Strukturelemente, Artefakte und interaktive Elemente enthalten;
  • Das Beispiel table_of_contents_pdfua1 erzeugt ein Inhaltsverzeichnis mit aktiven Links;
  • Das Beispiel table_pdfua1 demonstriert automatisches Taggen von Tabellen;
  • Das Beispiel tag_out_of_order_pdfua1 topic demonstriert die Erzeugung von Tagged PDF, wobei die Reihenfolge der Inhaltserstellung nicht der logischen Lesereihenfolge entspricht;
  • Das Beispiel textflow_pdfua1 erzeugt ein Tagged PDF, das einen Textflow mit entsprechenden Strukturelementen auf mehreren Seiten enthält;

PDF/UA-Ressourcen

ISO 14289-1:2014: Document management applications - Electronic document file format enhancement for accessibility - Part 1: Use of ISO 32000-1 (PDF/UA-1)
(beachten Sie, dass das ISO-Standard-Dokument selbst PDF/UA-1-konform ist)

Matterhorn-Protokoll mit PDF/UA-Checkpoints

PDF/UA Reference Suite mit Beispieldokumenten

Kostenlose Prüfung von PDF/UA-Konformität mit dem PDF Accessibility Checker (PAC)

Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0

PDF/UA-Anforderungen an das Dateiformat

PDF/UA-Ausschussvorsitzender Duff Johnson interviewt Thomas Merz, den Geschäftsführer von PDFlib GmbH, über PDF/UA-Unterstützung in PDFlib

PDF/UA-2

PDF/UA-2, das in ISO 14289-2 standardisiert werden soll, ist als Nachfolger von PDF/UA-1 konzipiert und basiert auf PDF 2.0. Das bedeutet, dass die neuen Tags von PDF 2.0 sowie die Tag-Namensräume genutzt werden können. Außerdem gelten die strengen Tag-Verschachtelungsregeln von PDF 2.0 in PDF/UA-2. Während PDF/UA-1 noch einige Einschränkungen zum Einsatz von Überschriften-Tags enthält, entfallen diese Anforderungen in PDF/UA-2. Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass Funktionen, die in PDF 2.0 als veraltet gelten, in PDF/UA-2 nicht mehr erlaubt sind.

Alle Sprungziele innerhalb eines Dokuments, etwa die Ziele für Links, müssen in PDF/UA-2 mit der PDF-2.0-Methode eines strukturierten Ziels ausgedrückt werden.

PDF/UA-2 führt außerdem das Konzept der Additional Accessibility Declarations (AAD) ein, das die Konformität des Dokuments mit anderen Spezifikationen für Barrierefreiheit beschreibt. AADs werden als Properties in den XMP-Metadaten gespeichert.