Zukünftige ISO-Standards

Zukünftige ISO-Standards auf Basis von PDF 2.0

PDF 2.0 vereinigt alle Erweiterungen, die in den vergangenen Jahren mit diversen ISO-Standards eingeführt wurden. Andererseits sind derzeit aber neue Ausgaben existierender PDF-Standards auf Basis von PDF 2.0 in Entwicklung. Diese Seite bietet einen Überblick über die Entwicklung dieser Standards. Sofern nicht anders angegeben, wurde bisher keiner dieser Standards veröffentlicht.

PDF/A-4

PDF/A-4, das in ISO 19005-4 standardisiert und vorläufig auch als PDF/A-NEXT bezeichnet wird, basiert auf PDF 2.0. Währen PDF/A-2 und PDF/A-3 jeweils drei Konformitätsstufen umfassen und die Anwender damit tendenziell etwas verwirren, vereinfacht PDF/A-4 die Situation und eliminiert die Konformitätsstufen für die Unterscheidung zwischen PDF mit bzw. ohne Tags. Ein PDF/A-4-Dokument kann schlichtweg mit oder ohne Tags erstellt werden, ohne wie in den früheren Konformitätsstufen PDF/A-1/2/3 eine eigene Unterscheidung in die Stufen a bzw. b zu erfordern. Weiterhin kann ein PDF/A-4-Dokument Dateianhänge enthalten. Diese müssen dann jeweils konform zu PDF/A-1, PDF/A-2 oder PDF/A-4 sein. Für jeden Dateianhang muss seine Beziehung zu einem bestimmten Teil des Hauptdokuments im Schlüssel AFRelationship angegeben werden.

Während PDF/A-4 die früheren Konformitätsstufen a/b/u abschafft, führt es auch zwei neue Konformitätsstufen ein:

  • PDF/A-4f ermöglicht Dateianhänge, die selbst nicht zu PDF/A konform sind (PDF/A-3 erweitert auf ähnliche Art PDF/A-2).
  • PDF/A-4e zielt auf den Engineering-Bereich ab. Es ist als Nachfolger des existierenden Standards PDF/E-1 gemäß ISO 24517-1 konzipiert, der auf PDF 1.6 basiert. Der bisherige Plan, eine neue Variante PDF/E-2 als ISO 24517-2 zu definieren, wurde storniert. Stattdessen fügt PDF/A-4 RichMedia-Annotionen für 3D-Inhalte in den Formaten U3D oder PRC zum Basisformat PDF/A-4 hinzu.

PDF/UA-2

PDF/UA-2, das in ISO 14289-2 standardisiert werden soll, ist als Nachfolger von PDF/UA-1 konzipiert und basiert auf PDF 2.0. Das bedeutet, dass die neuen Tags von PDF 2.0 sowie die Tag-Namensräume genutzt werden können. Außerdem gelten die strengen Tag-Verschachtelungsregeln von PDF 2.0 in PDF/UA-2. Während PDF/UA-1 noch einige Einschränkungen zum Einsatz von Überschriften-Tags enthält, entfallen diese Anforderungen in PDF/UA-2. Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass Funktionen, die in PDF 2.0 als veraltet gelten, in PDF/UA-2 nicht mehr erlaubt sind.

Alle Sprungziele innerhalb eines Dokuments, etwa die Ziele für Links, müssen in PDF/UA-2 mit der PDF-2.0-Methode eines strukturierten Ziels ausgedrückt werden.

PDF/UA-2 führt außerdem das Konzept der Additional Accessibility Declarations (AAD) ein, das die Konformität des Dokuments mit anderen Spezifikationen für Barrierefreiheit beschreibt. AADs werden als Properties in den XMP-Metadaten gespeichert.

PDF/X-6

PDF/X-6 soll in ISO 15930-9 standardisiert werden und basiert auf PDF 2.0. Es definiert die Hauptvariante PDF/X-6 als Nachfolger von PDF/X-4 für den Austausch vollständiger Druckdateien. Der neue Standard definiert außerdem zwei Formate für den Austausch unvollständiger Druckdateien:

  • PDF/X-6p für Dokumente mit einem externen ICC-Profil aus Ausgabebedingung (Nachfolger von PDF/X-4p, das auf PDF 1.6 basiert);
  • PDF/X-6n für N-Kanal-Profile als Ausgabebedingung (Nachfolger von PDF/X-5n, das auf PDF 1.6 basiert).

Es gibt keine Pläne für Nachfolger von PDF/X-5g mit externen grafischen Inhalten und PDF/X-5pg mit externer Ausgabebedingung und externen Inhalten, da diese Formate keine Akzeptanz in der Druckindustrie fanden.

PDF/X-6 nutzt die PDF-2.0-Funktion der seitenbasierten Druckausgabebedingung. Sie ist nützlich für Dokumente, bei denen einzelne Seiten auf unterschiedlichen Geräten gedruckt werden sollen, etwa eine Kollektion von Briefen, bei denen die Startseite in schwarzweiß, die Innenseiten jedoch in Farbe gedruckt werden.

Spectraldaten (CxF) können in PDF/X-4-Dokumenten enthalten sein. Es gibt jedoch keine konkreten Vorgaben zu ihrer Nutzung mit Ausnahme der Vorgabe, dass sie nicht im Widerspruch zur Ausgabebedingung stehen dürfen.

PDF/X-6 erlaubt Annotationen und Formularfelder im sichtbaren Bereich einer Seite, was in früheren Teilen von PDF/X verboten ist. Gemäß den Vorgaben von PDF 2.0 müssen jedoch alle Annotationen über Appearance Streams verfügen. Diese müssen wiederum den Vorgaben von PDF/X genügen, um eine zuverlässige Darstellung zu gewährleisten.

PDF 2.0 führt eine neue Steuerungsmöglichkeit zur Tiefenkompensation für einzelne grafische Elemente ein. PDF/X-6 schreibt vor, dass die Tiefenkompensation bei Abwesenheit einer expliziten Angabe aktiviert sein muss.

PDF/VT-3

PDF/VT-3 soll in ISO 16612-3 als Nachfolger von PDF/VT-1 standardisiert werden. Es basiert of PDF/X-6 (beliebige Konformitätsstufe) und damit auf PDF 2.0. Das Hauptthema von PDF/VT sind Regeln zur Verarbeitung von wiederholt auftretenden Seiteninhalten und Transparenz. Die entsprechenden Anforderungen für Encapsulated Form XObjects in PDF/VT-1 betreffen die Verwendung von Transparenz auf einer beliebigen Seite im Dokument (nicht nur auf der Seite, auf der das Form XObject verwendet wird), was für manche Programme ein großes Problem darstellt. Im Gegensatz dazu beziehen sich die Regeln von PDF/VT-3 nur auf die Verwendung von Transparenz auf der gleichen Seite, was die Verarbeitung deutlich vereinfacht.

Der Austausch von Paketen, die aus mehreren Dateien bestehen bzw. Komponenten, die in Streams zusammengefasst werden, wird mangels Unterstützung in der Druckindustrie nicht mehr unterstützt. Es werden daher keine Nachfolger für PDF/VT-2 (das auf PDF/X-4p, PDF/X-5g, or PDF/X-5pg basiert) und PDF/VT-2s spezifiziert werden. PDF/VT-2s beschreibt ein MIME-Paket, das eine oder mehrere PDF/VT-1-Dateien oder PDF/VT-2-Sets enthält.

PDF/VCR-1

PDF/VCR-1, das bereits 2017 als ISO 16613-1 veröffentlicht wurde, ist ein neuer Standard, der sich mit der Ersetzung variabler Inhalte befasst (Variable Content Replacement, VCR). Er richtet sich an die hochvolumige Produktion personalisierter Drucksachen, z.B. Kreditkarten und Kundenbindungsbriefe, individualisierte Drucksachen wie etwa in der pharmazeutischen Industrie Produktverpackungen mit Seriennummer und Haltbarkeitsdatum, oder serialisierte Eintrittskarten.

Ein PDF/VCR-1-Dokument basiert auf PDF/X-4 oder einem neueren Teil von ISO 15930. Somit können auch PDF/X-6 und PDF 2.0 als Grundlage für PDF/VCR genutzt werden. Gewissermaßen bietet PDF/VCR das an, was manchmal fälschlicherweise als Eigenschaft von PDF/VT angesehen wird: während PDF/VT finale Inhalte transportiert, stellt ein PDF/VCR-Dokument eine Vorlage mit Platzhaltern dar. Diese Vorlage wird im RIP mit variablen Daten zusammengeführt, was das finale Dokument ergibt. Die Platzhalter im Dokument werden mit Mitteln von Tagged PDF (und einigen Erweiterungen) markiert. Die variablen Daten, die sogenannte Datensequenz, werden in Form einer CSV-Datei gemäß RFC 4180 erwartet.