PDF/VT

Der Standard PDF/VT

Der PDF/VT-Standard wurde 2010 als ISO 16612:2010 veröffentlicht. Der Standard ist »dazu entworfen, Variable Document Printing (VDP) in einer Vielzahl von Umgebungen zu ermöglichen«. (Die Abkürzung VDP steht teilweise für »Variable Data Printing« als Alternative zu »Variable Document Printing«.) PDF/VT-Dokumente enthalten die finalen Inhalte und die zugehörigen Metadaten, aber keine Variablen oder Templates. Der Vorgängerstandard ISO 16612-1:2005 spezifizierte das PPML/VDX-Format, das auf PDF 1.4 basiert. Diesem älteren Standard fehlten jedoch einige PDF-Funktionen und er beruhte auf Konstrukten außerhalb von PDF. Der moderne Standard PDF/VT basiert auf PDF/X-4 und PDF/X-5 und unterstützt den Funktionsumfang von PDF 1.6 einschließlich Transparenz, Ebenen und ICC-basiertem Farbmanagement. Zusätzlich zu den Anforderungen von PDF/X steuert der PDF/VT-Standard weitere Funktionen bei, um den Anforderungen an personalisierten Massendruck zu entsprechen. PDF/VT erlaubt schnelles Rastern (Rendering) von digitalen Druckdateien, indem es das PDF-Format um effizientes Ressourcen-Management ergänzt.

Da PDF/X Farbmanagement und Unterstützung für ICC-Profile enthält, hat auch PDF/VT diese Funktionen übernommen. Für Organisationen, die sich bisher auf schwarzweiße Drucksachen beschränkt haben, kann Farbmanagement einen hohen Einarbeitungssaufwand bedeuten, eröffnet jedoch auch eine Vielzahl von Möglichkeiten für neue farbige Druckprodukte und konsistente Farbreproduktion.

PDF/VT zielt auf die beiden wichtigen Bereiche »Variable Document Printing« und »Transaktionsdruck« ab, die im Folgenden genauer beschrieben werden.

Variable Data Printing

Variable Data Printing (oder Variable Document Printing), auch als Personalisierung oder Eins-zu-eins-Marketing bezeichet, generiert individualisierte Seiten, d.h. manche oder alle der gedrucken Seiten sind unterschiedlich. Die variablen Inhalte kommen aus einer Datenbank und werden genutzt, um jedes Dokument anzupassen. VDP wird vorwiegend für das Marketing eingesetzt, da personalisierte Dokumente die Aufmerksamkeit des Empfängers schneller wecken. Hier einige Beispiele:

  • Geschäftsbriefe mit variablen Namens- und Adressinformationen
  • Personalisierte Broschüren mit variablen Text- und Grafikelementen, die nach einem Satz von Gestaltungsregeln ausgewählt werden. Daraus entstehen grafisch ansprechend gestaltete Unikate.
  • Vollständig personalisierte Angebote, bei denen der eigentliche Inhalt anhand von Standort, Geschlecht, Alter und Kaufgewohnheiten oder anderen bekannten Daten über den Kunden variiert.

Transaktionsdruck

Transaktionsdruck erstellt zu Transaktionen wie Verkäufen, Kontobewegungen oder Versicherungsabschlüssen die zugehörigen Dokumente, also Rechnungen, Kontoauszüge oder Versicherungspolicen. Falls Werbe- oder Marketingbotschaften in diese Dokumente integriert werden, spricht man auch von Transaktional-promotional oder Transpromo. Gängige Beispiele für verschiedene Branchen:

  • Finanzbranche: Ein Kontoauszug enthält maßgeschneiderte Angebote für den einzelnen Kunden.
  • Versorgungswirtschaft: Eine Strom- oder Gasrechung enthält individuelle Serviceangebote, angepasst an das Verbrauchsmuster des Kunden.
  • Telekommunikationsbranche: Telefonrechnungen enthalten individuelle Rabattangebote anhand des Verbindungstyps und der Telefonnummern der im letzten Monat vom Kunden getätigten Telefonate.

Konformitätsstufen: PDF/VT-1, PDF/VT-2 und PDF/VT-2s

ISO 16612-2 spezifiziert drei Stufen der Konformität mit PDF-VT, die alle auf PDF 1.6 basieren:

  • PDF/VT-1 wurde für den Austausch abgeschlossener Einzeldateien entwickelt und beruht auf PDF/X-4. Eine PDF/VT-1-Datei enthält alle erforderlichen Ressourcen für die Wiedergabe des Dokuments. Aus diesem Grund ist PDF/X-4 mit externem Output Intent nicht erlaubt.
  • PDF/VT-2 ist für den Austausch mehrerer Dateien konzipiert und basiert auf einem der Standards PDF/X-4p, PDF/X-5g oder PDF/X-5pg. PDF/VT-2-Dateien können auf externe Druckausgabebedingungen, externe Seiteninhalte oder beides verweisen. Ein PDF/VT-Dokument und alle referenzierten PDF-Daten und externen Druckausgabebedingungen werden zusammen als PDF/VT-2-Fileset bezeichnet.
  • PDF/VT-2s ermöglicht die Ausgabe von Streams, damit sich die Generierung des Dokuments und das Rendering überlappen können. Ein PDF/VT-2s-Stream ist ein MIME-Paket, das ein oder mehrere PDF/VT-1-Dateien oder PDF/VT-2-Filesets (oder beides) enthält sowie alle referenzierten Dateien.

Beachten Sie, dass PDF/VT-2 und PDF/VT-2s als tot betrachtet werden müssen, da diese Standards keine weite Implementierung in RIPs und anderer Software fanden.

PDF/VT-3

PDF/VT-3 soll in ISO 16612-3 als Nachfolger von PDF/VT-1 standardisiert werden. Es basiert of PDF/X-6 (beliebige Konformitätsstufe) und damit auf PDF 2.0. Das Hauptthema von PDF/VT sind Regeln zur Verarbeitung von wiederholt auftretenden Seiteninhalten und Transparenz. Die entsprechenden Anforderungen für Encapsulated Form XObjects in PDF/VT-1 betreffen die Verwendung von Transparenz auf einer beliebigen Seite im Dokument (nicht nur auf der Seite, auf der das Form XObject verwendet wird), was für manche Programme ein großes Problem darstellt. Im Gegensatz dazu beziehen sich die Regeln von PDF/VT-3 nur auf die Verwendung von Transparenz auf der gleichen Seite, was die Verarbeitung deutlich vereinfacht.

Der Austausch von Paketen, die aus mehreren Dateien bestehen bzw. Komponenten, die in Streams zusammengefasst werden, wird mangels Unterstützung in der Druckindustrie im neuen Standard nicht mehr spezifiziert. Es wird daher keine Nachfolger für PDF/VT-2 (das auf PDF/X-4p, PDF/X-5g, or PDF/X-5pg basiert) und PDF/VT-2s geben.

PDF/VCR-1

PDF/VCR-1, das bereits 2017 als ISO 16613-1 veröffentlicht wurde, ist ein neuer Standard, der sich mit der Ersetzung variabler Inhalte befasst (Variable Content Replacement, VCR). Er richtet sich an die hochvolumige Produktion personalisierter Drucksachen, z.B. Kreditkarten und Kundenbindungsbriefe, individualisierte Drucksachen wie etwa in der pharmazeutischen Industrie Produktverpackungen mit Seriennummer und Haltbarkeitsdatum, oder serialisierte Eintrittskarten.

Ein PDF/VCR-1-Dokument basiert auf PDF/X-4 oder einem neueren Teil von ISO 15930. Somit können auch PDF/X-6 und PDF 2.0 als Grundlage für PDF/VCR genutzt werden. Gewissermaßen bietet PDF/VCR das an, was manchmal fälschlicherweise als Eigenschaft von PDF/VT angesehen wird: während PDF/VT finale Inhalte transportiert, stellt ein PDF/VCR-Dokument eine Vorlage mit Platzhaltern dar. Diese Vorlage wird im RIP mit variablen Daten zusammengeführt, was das finale Dokument ergibt. Die Platzhalter im Dokument werden mit Mitteln von Tagged PDF (und einigen Erweiterungen) markiert. Die variablen Daten, die sogenannte Datensequenz, werden in Form einer CSV-Datei gemäß RFC 4180 erwartet.

Weitere Informationen

Das PDFlib-Whitepaper »Technische Einführung in PDF/VT« erklärt die technischen Konzepte, die PDF/VT über PDF/X-4 und PDF/X-5 hinaus bietet.

Während unserer Implementierung der PDF/VT-Unterstützung in PDFlib haben wir einige Notizen zum Dokument ISO 16612-2:2010 gesammelt. Diese Anmerkungen reichen von kleineren redaktionellen Änderungen zu technischen Fehlern, und wir machen auch ein paar Änderungsvorschläge. Interessierte können unsere Anmerkungen hier herunterladen. Bitte beachten Sie, dass Sie eine Kopie der Original-ISO-Standards brauchen, um dieses Dokument nutzen zu können.

PDFlib und PDF/VT

Die PDF/VT-Unterstützung in PDFlib, PDFlib+PDI und PDFlib Personalization Server (PPS) basiert auf der vorhandenen Implementierung von PDF/X-4 und PDF/X-5, die 2009 eingeführt wurde. Alle relevanten PDF/X-Funktionen und -Anforderungen in PDFlib betreffen auch PDF/VT. Das schließt Farbmanagement mit ICC-Profilen, Output Intents zur Charakterisierung der geplanten Druckausgabebedingungen und Regeln für den Umgang mit Farbe, Ebenen und Transparenz im Dokument mit ein. PDFlib unterstützt auch die Ausgabe von Dateien, die gleichzeitig die Vorgaben von PDF/VT-1 und PDF/A erfüllen.

Bei der Entwicklung der PDF/VT-Funktionen in PDFlib standen einige Funktionen im Mittelpunkt, etwa die automatische Erstellung von Unique Identifiers und eine flexible Programmierschnittstelle zur Beschreibung der Document Part Hierarchy und der Document Part Metadata (DPM). Da PDFlib nicht weiß, in welcher Beziehung mehrere einzeln generierte Dokumente zueinander stehen, kann der Anwendungsentwickler Scope Hints und Encapsulation Hints hinzufügen. Programmierbeispiele zur Erstellung von PDF/VT stehen im PDFlib Cookbook zur Verfügung.

Code- und PDF-Beispiele für PDF/VT

Unsere Cookbooks enthalten die folgenden Programmierbeispiele PDF/VT:

  • Das Beispiel starter_pdfvt1 im PDFlib-Cookbook erzeugt ein vollständiges PDF/VT-1-Dokument.
  • Das Beispiel dpart_to_xml im pCOS-Cookbook zeigt, wie sich Document Part Metadata (DPM) aus einem PDF/VT-Dokument lesen und extrahieren und als XML-Datei gemäß PDF/VT speichern lassen.

PDF/VT-Ressourcen

ISO 16612-2:2010: Graphic technology - Variable data exchange - Part 2:
Using PDF/X-4 and PDF/X-5 (PDF/VT-1 and PDF/VT-2)
https://www.iso.org/standard/46428.html

PDF/VT Application Notes der PDF Association
https://www.pdfa.org/publication/pdfvt-application-notes/

Cal Poly Graphic Communications PDF/VT Test File Suite
https://www.pdfa.org/resource/cal-poly-pdfvt-test-suite/

Do PDF/VT Right: How to make problem free PDF files for variable data printing
http://www.globalgraphics.com/doPDFVTright/

Adobe PDF Print Engine mit Support für PDF/VT
http://www.adobe.com/products/pdfprintengine/

Technische Arbeitsgruppe der PDF Association für PDF/VT
https://www.pdfa.org/community/pdf-vt-technical-working-group/

International Cooperation for the Integration of Processes in Prepress, Press, and Postpress Organization (CIP4) ist die Organisation, die für das Job Definition Format (JDF) verantwortlich ist:
http://www.cip4.org/

ICS - Common Metadata for Document Production Workflows
Metadatenformat, das für die Nutzung mit PDF/VT empfohlen wird:
https://confluence.cip4.org/display/PUB/Common+Metadata+for+Document+Production+Workflow+ICS